Meiner Meinung nach gehören Panda-Uhren wahrscheinlich zu den schönsten und klassischsten Uhrendesigns überhaupt, was erklärt, weshalb ich rund zehn davon besitze. In diesem Artikel sehen wir uns zwei Casio-Modelle aus meiner Sammlung an: die Edifice EFB-730D-7AV am Edelstahlarmband mit einem aufgeräumten silberfarbenen Zifferblatt und schwarzen Hilfszifferblättern sowie die Edifice EFB-730L-7AV am braunen Lederarmband mit einem stärker vintageorientierten, cremeweißen Zifferblatt und orangefarbenen Akzenten. Um den Vergleich noch interessanter zu machen, stelle ich ihnen meine Tudor Black Bay Chrono Panda M79360N-0002 gegenüber.
In den folgenden Abschnitten erläutere ich, was mir gefällt, was mir nicht gefällt beziehungsweise was ich mir für künftige Versionen wünsche, ob sich diese Uhren hochwertig anfühlen, und beantworte zwei Fragen, die Sie sich vermutlich bereits stellen: Warum besitze ich beide, und werde ich sie verkaufen?
Panda-Design, Gehäusegröße und Komfort
Das Panda-Zifferblatt ist eindeutig die Hauptattraktion. Von den vielen erschwinglichen Panda-Chronographen unterscheiden sich diese Casio-Modelle jedoch vor allem durch ihre Gehäuseform. Statt des vertrauten runden Designs von Uhren wie der Tudor Black Bay Chrono besitzt die EFB-730 ein Tonneau-Gehäuse, das mich sofort an die legendäre Zenith El Primero A384 erinnerte.
Die 1969 vorgestellte A384 verband ein markantes Tonneau-Gehäuse, das oft auch als tonnenförmig bezeichnet wird, mit einem weißen Zifferblatt, drei schwarzen Chronographenzählern und einem Datumsfenster zwischen 4 und 5 Uhr. Die moderne A384 Revival bildet dieses Design mit einem 37mm großen Tonneau-Gehäuse originalgetreu nach. Die Edifice ist mit 40mm größer, doch das tonnenförmige Gehäuse, die Panda-Anordnung, die drei Hilfszifferblätter bei 3, 6 und 9 Uhr und sogar das wie bei der Zenith exakt zwischen 4 und 5 Uhr platzierte Datumsfenster erzeugen eine klare optische Ähnlichkeit.
Tatsächlich würde ich sie wohl als derzeit beste erschwingliche Alternative zur Zenith El Primero A384 bezeichnen. Leider liegt bei mir keine Zenith herum, die ich für einen direkten Vergleich heranziehen könnte. Falls die netten Leute bei Zenith dies lesen und mir eine A384 schicken möchten, um herauszufinden, wie sie sich gegen eine Casio für 150 $ schlägt: Mein Postfach steht weit offen. Natürlich nur im Dienste der Wissenschaft.
Das 40mm große Gehäuse trifft beim Komfort genau den richtigen Punkt. Dank seiner Tonneau-Form und einer Länge über die Bandanstöße von 47mm sitzt die Uhr sicher, schmiegt sich perfekt ans Handgelenk und bleibt den ganzen Tag über ausgesprochen bequem.
Zum Auftakt des Vergleichs mit der Tudor kann ich ehrlich sagen, dass die Casio leichter und tatsächlich angenehmer zu tragen ist. Auch die Kanten an der Unterseite des Gehäuses sind weicher ausgeführt und fühlen sich auf der Haut deutlich angenehmer an als bei der Tudor.
Qualität: Gehäuse, Metallarmband, Lederarmband und Glas
Apropos Qualität: Die Ausführung des EFB-730-Gehäuses ist beeindruckend und für diese Preisklasse kaum zu glauben. Casio kombiniert Oberflächenbearbeitungen, die man normalerweise bei deutlich teureren Uhren erwartet. Die Vorderseite des Gehäuses ist attraktiv gebürstet und verleiht ihm den authentischen Charakter einer Sportuhr aus den 1970er-Jahren. Diese gebürstete Fläche bildet einen wunderschönen Kontrast zur hochglanzpolierten feststehenden Lünette und zu den polierten, geraden Gehäuseflanken.
Diese Verarbeitung mit der Tudor Black Bay Chrono zu vergleichen, mag etwas lächerlich klingen, schließlich kostet die Tudor rund 6.300 $. Natürlich spielt sie in einer anderen Liga. Ihr Schliff ist makellos und sie fühlt sich genau so hochwertig an, wie es eine Premiumuhr sollte. Aber ganz ehrlich: Dass eine Casio für 150 $ so gut verarbeitet ist, dass ich überhaupt meine Tudor erwähne, ist ziemlich erstaunlich. Es zeigt, wie viel Uhr man hier für sein Geld erhält.
Beim Metall- und Lederarmband wird der Preisunterschied etwas deutlicher spürbar. Das Edelstahlarmband der EFB-730D ist in Ordnung. Von der äußerst soliden und präzisen Konstruktion des Tudor-Armbands ist es natürlich weit entfernt, aber bleiben wir realistisch: Für 150 $ ist es mehr als gut genug. Die EFB-730L wird dagegen an einem braunen Lederarmband geliefert. Das Leder ist recht hochwertig und sehr bequem, auch wenn ich mir statt einer einfachen Standardschließe eine eigens gestaltete und signierte Edifice-Dornschließe gewünscht hätte.
Wenn ich eine der beiden empfehlen müsste, würde ich eindeutig zur Version mit Metallarmband raten. Beim Uhrensammeln gilt grundsätzlich: Ein anderes Lederarmband lässt sich später immer wesentlich leichter und günstiger montieren, als ein originales Metallarmband des Herstellers aufzutreiben.
Zum Schluss sprechen wir über das Glas. Ja, die Tudor besitzt ein beeindruckendes gewölbtes Saphirglas, das beim schrägen Blick auf das Zifferblatt am Rand diese reizvolle Verzerrung im Vintage-Stil erzeugt. Der Effekt ist wunderschön. Die Casio bietet ihn leider nicht. Dass man bei einer Casio für 150 $ jedoch echtes, äußerst kratzfestes Saphirglas erhält, ist schlicht verblüffend. Normalerweise muss man sich in dieser Preisklasse mit gewöhnlichem Mineralglas begnügen, das leicht verkratzt. Ein flaches Saphirglas ist hier ein enormer Mehrwert.
Qualität und Details des Zifferblatts
Beim Blick auf das Zifferblatt beeindruckt besonders, wie viel Tiefe Casio geschaffen hat. Die applizierten Indizes sind kräftig und voluminös. Zusammen mit den leicht vertieften Hilfszifferblättern verleihen sie dem gesamten Zifferblatt eine räumliche 3D-Architektur, die ausgesprochen hochwertig wirkt.
Die beiden Modelle interpretieren die Panda-Ästhetik etwas unterschiedlich. Die EFB-730D-7AV am Stahlarmband besitzt einen strahlenden silberfarbenen Sonnenschliff, der wunderbar mit dem Licht spielt. Die EFB-730L-7AV am Lederarmband setzt dagegen auf ein mattes, cremeweißes Vintage-Zifferblatt ohne Sonnenschliff. Stattdessen sorgen der leuchtend orangefarbene zentrale Sekundenzeiger und die drei dazu passenden orangefarbenen Zeiger der Hilfszifferblätter dafür, dass das Design richtig lebendig wirkt.
Ganz ehrlich: Beim direkten Blick auf beide Zifferblätter kann die Casio ausgesprochen gut mit der Tudor mithalten. Sie schlägt sich bemerkenswert. Der einzige klare Hinweis ist die Aussparung des Datumsfensters. Bei der Casio sitzt die Datumsscheibe etwas tief unter dem Zifferblatt und das Fenster ist gerade ausgeschnitten, wodurch je nach Beleuchtung innen ein leichter Schatten entstehen kann. Bei der Tudor liegt die Datumsscheibe vermutlich ähnlich tief, doch das Zifferblatt besitzt rund um das Datumsfenster eine schön abgeschrägte Kante. Durch diesen schrägen Schnitt fällt Licht hinein und der Schatten verschwindet vollständig. Aber um das zu bemerken, muss man bei einer Uhr für 150 $ im Vergleich zu einem Premiumstück für 6.300 $ schon ziemlich genau nach Fehlern suchen.
Zum Abschluss noch ein Wort zur Leuchtmasse. Casio bietet hier eine gute Leuchtkraft und versieht sowohl Stunden- und Minutenzeiger als auch sämtliche Indizes damit. Sie ist weder extrem hell noch hält sie so lange wie die Leuchtmasse der Tudor, die praktisch in einer anderen Liga spielt. Für 150 $ ist sie aber erneut mehr als ausreichend.
Das Uhrwerk
Sprechen wir über das Uhrwerk. Ein Vergleich zwischen Casio und Tudor ist hier wahrscheinlich wenig sinnvoll, denn wir stellen ein hochpräzises mechanisches Automatikwerk einem gewöhnlichen Quarzmodul gegenüber. Statt mich darauf zu konzentrieren, möchte ich erläutern, was mir am Casio-Werk gefällt und was nicht.
Ich beginne mit meinem Kritikpunkt: dem zentralen Sekundenzeiger. Bei einem traditionellen mechanischen Chronographen ist der große zentrale Zeiger für die Stoppfunktion reserviert und bleibt bei Nichtgebrauch exakt auf 12 Uhr stehen. Mir gefällt dieses aufgeräumte Bild mit dem ständig oben ruhenden Zeiger sehr. Bei dieser Casio zeigt der zentrale Zeiger jedoch die laufende Sekunde an und tickt daher ununterbrochen weiter. Der eigentliche Chronographen-Sekundenzeiger befindet sich im Hilfszifferblatt bei 6 Uhr.
Dennoch gibt es einige ausgezeichnete Funktionen, die mir sehr gefallen. Zunächst schätze ich die 24-Stunden-Anzeige im Hilfszifferblatt bei 3 Uhr, die im Alltag durchaus praktisch ist. Am interessantesten ist jedoch die Zwischenzeitfunktion. Startet man den Chronographen mit dem oberen Drücker bei 2 Uhr, lassen sich die Chronographenzeiger mit dem unteren Drücker bei 4 Uhr vorübergehend anhalten. So kann man die verstrichene Zeit bequem ablesen, während das Werk im Hintergrund unbemerkt weiterzählt. Drückt man den Drücker bei 4 Uhr erneut, springen die Zeiger rasch vor und holen die aktuell verstrichene Zeit ein. Ein sehr unterhaltsamer und nützlicher Trick!
Was ich mir von einem künftigen Modell wünsche
Wenn ich einen Tag lang Uhrmacher spielen dürfte, sähe meine Wunschliste für eine künftige Version so aus: Vor allem sollte Casio das Design nicht verändern, sondern Zifferblatt und Gehäuseform exakt beibehalten. Unter der Haube würde ich mir dagegen unbedingt ein Solarwerk mit Bluetooth-Verbindung wünschen. Dazu käme ein zentraler Chronographen-Sekundenzeiger, der wie bei einer Automatikuhr gleichmäßig gleitet, anstatt einmal pro Sekunde zu springen. Schließlich hätte ich gern ein hochwertigeres Edelstahlarmband mit einer massiven, gefrästen Schließe.
Würde Casio ein Modell mit diesen Verbesserungen und genau diesem Design herausbringen, würde ich ganz ehrlich sofort wieder zwei Exemplare kaufen. Selbst bei einem doppelt so hohen Preis würde ich noch gern zugreifen.
Fazit: Warum besitze ich beide und werde ich sie verkaufen?
Zum Abschluss dieses Erfahrungsberichts beantworten wir die Fragen vom Anfang. Fühlen sich diese Uhren hochwertig an? Ganz ehrlich: ja. Die Kombination aus gebürsteten und polierten Gehäuseflächen, der tiefen 3D-Architektur des Zifferblatts und dem flachen Saphirglas lässt die EFB-730 weit über ihrer Preisklasse von 150 $ auftreten. Sie fühlt sich nicht wie eine billige Uhr an, sondern wie eine solide, vollwertige Armbanduhr.
Warum besitze ich also zwei davon? Weil sie am Handgelenk völlig unterschiedliche Stimmungen erzeugen. Das silberfarbene Zifferblatt am Stahlarmband ist meine aufgeräumte, vielseitige Alltagsuhr. Sie sieht elegant aus und passt zu fast allem. Das cremeweiße Zifferblatt am Lederarmband ist dagegen meine unterhaltsame, vintageinspirierte Wochenenduhr. Die orangefarbenen Akzente verleihen ihr einen vollkommen anderen Charakter. Und bei diesem Preis kann man sich beide ohne schlechtes Gewissen leisten.
Und werde ich sie verkaufen? Auf keinen Fall. Obwohl eine Tudor Black Bay Chrono für 6.300 $ in meiner Uhrenbox liegt, kommen diese Casio-Modelle weiterhin oft ans Handgelenk. Sie machen Spaß, sehen fantastisch aus und bieten einen unglaublichen Gegenwert. Sie bleiben definitiv in der Sammlung.
Wie ich diese Uhren fotografiert habe
Für die Fotos in diesem Artikel verwendete ich die Fujifilm X-T4 mit dem 15-45mm-Zoomobjektiv. Die Aufnahmen am Handgelenk entstanden mit meinem Samsung Galaxy S23 Ultra, um eine vertrautere Perspektive aus dem Alltag zu zeigen, denn viele Menschen fotografieren ihre Uhren mit dem Smartphone statt mit einer Kamera.
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